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Märchen

An das Jahr 1986 werde ich mich mein ganzes Leben lang erinnern. Es war für mich ein Jahr der vollständigen Wandlung. Es war das Jahr meiner größten Lebenskrise. Ich war damals gerade 25 Jahre alt und viele Leute würden behaupten, ich sei in der Blüte meiner Jahre gewesen. Weit gefehlt. Zumindest für mich.

Ich quälte mich mit verschiedenen Krankheiten herum, meine Eltern waren gerade ins Rentenalter gekommen und konnten nicht verkraften, dass sie jetzt viel Zeit – zu viel Zeit - hatten. Mein damaliger Job hing mir zum Halse heraus, meine angeblichen Freunde hatte ich gründlich satt und zu allem Überfluss stellte mein Frauenarzt bei mir die Diagnose Gebärmutterhalskrebs.

Mein Freund verließ mich, weil er meinte, ich könne jetzt keine Kinder mehr zur Welt bringen und ich hatte Schulden bis über beide Ohren, weil ich mir gerade meine neue Wohnung eingerichtet hatte.

Jeden Tag lief ich mit irrsinnigen Kopfschmerzen durch die Gegend, schluckte Valium zur Beruhigung und wollte mit niemand mehr etwas zu tun haben. Ich kündigte meinen Job, den ich nicht mehr ertragen konnte, und machte mich mit einem kleinen Laden selbständig, den ich drei Monate später mangels Einnahmen wieder schließen musste. Meine Welt drohte gänzlich aus den Fugen zu geraten. Um überhaupt zu Geld zu kommen, nahm ich einen Job im Versicherungsaußendienst an und setzte mich der Tortur des Haustürverkaufens aus, was meinen ohnehin angeschlagenen Nerven noch das I-Tüpfelchen oben drauf setzte.

Meine Mutter war zwischenzeitlich Dauergast in einer psychiatrischen Klinik geworden und wurde kurz darauf im Alter von 63 Jahren mit der Diagnose Alzheimer ins Altenheim gebracht. Mein Vater hatte Depressionen und schob mir die Verantwortung dafür zu, weil ich mich zu wenig um ihn kümmerte. In mehr als einer Nacht weinte ich mir in der Dunkelheit die Augen aus dem Kopf und versuchte am nächsten Morgen mit kühlenden Umschlägen die Spuren der durchweinten Nacht zu verwischen. Ich war am Ende meiner Kräfte und überlegte mir täglich, wie ich am besten aus diesem Leben verschwinden könnte, am liebsten, ohne irgendwelche sichtbaren Spuren in meinem Umfeld zu hinterlassen.

Eines Tages saß ich in meinem Büro und versuchte mich auf die ungeliebte Buchhaltung zu konzentrieren. Aber mein Blick suchte immer wieder das Leere, wanderte ziellos über die Hausdächer und Wiesen davon. Auf einmal sah ich einen Engel über die Wiese fliegen und zwickte mich in den Arm, weil ich meinen eigenen Augen nicht mehr traute. Der Schmerz im Arm verflog, dass Bild des Engels aber blieb. So starrte ich weiter geradeaus und verfolgte, was der Engel dort machte, konnte aber immer noch nicht glauben, was ich da sah.

Der Engel flog zu einem Moorgebiet - das es in der Realität gar nicht geben konnte, denn Moore gab es in meiner Gegend weit und breit nicht - und zeigte mir ein Wesen, das drohte, im Moor zu versinken. Ich kniff die Augen zusammen und schüttelte meinen Kopf, so als ob ich damit die Bilder vertreiben wollte. Als ich die Augen wieder öffnete, war der Engel verschwunden. Ich atmete auf und wollte mich wieder meiner Arbeit zuwenden, als eine mir unbekannte Stimme zu mir sagte: „Schreib‘!“.

Erschrocken drehte ich mich um, aber es war niemand da. Ich wusste auch nicht, was ich hätte schreiben sollen und hatte auch keine Lust dazu, also nahm ich einen Stift zur Hand und wollte meine Buchhaltung weiter bearbeiten. „Schreib’ auf, was du gesehen hast!“ sagte die Stimme - wo kam sie bloß her? - hinter mir jetzt etwas eindringlicher. „Nein,“ antwortete ich laut, obwohl ich mich selbst für verrückt erklärte, weil ich mit jemandem redete, der gar nicht da war und untersuchte vorsichtshalber alle Schränke, um sicher zu gehen, dass niemand einen Scherz mit mir trieb.

„Du schreibst jetzt!“ sagte diese Stimme dann mit so einer Kraft, dass ich es mit der Angst zu tun bekam. Ich wollte fliehen, aber das war nicht möglich. Eine unsichtbare Kraft legte sich auf meinen Arm und drehte meinen Sessel in Richtung Schreibmaschine um.
 
Meine linke Hand wurde zur Schreibtischschublade geführt und ich sah, wie ich ein weißes Blatt Papier aus der Lade nahm und in die Schreibmaschine einspannte. Ungewollt tippte ich die Worte „Es war einmal...“ auf das Papier und wurde erst wieder „wach“, nachdem ich einige Seiten beschrieben hatte. Später las ich, was ich gerade geschrieben hatte:
 
Es war einmal an einem wunderschönen Frühlingsvormittag, als ein kleines Engelchen in mein Gebiet kam. Es sah niedlich und friedfertig aus. Es hatte ein feines Kleidchen aus reiner, weißer Seide an. Nackt waren seine Füße, aber an diesem Tag schien die Sonne und so störte das nicht weiter. Es hatte lockiges Haar, das sacht über seine Schulterchen floss und in der Sonne schimmerte, als sei es golden.

Aber als ich näher hinsah, entdeckte ich einen traurigen Blick auf dem Gesicht des kleinen Engels. Also war ich aufgerufen, hier zu helfen. Ich konnte aber nur helfen, wenn der Kopf des Engelchens auf Empfang geschaltet war, sonst waren alle meine Bemühungen vergebens. Also probierte ich es.

„Hallo, Engelchen, hörst du mich? Kannst du mich verstehen? Hallo, bitte hör’ mich doch! Hallo, Engel, bitte antworte mir. Ich möchte dir helfen!“ Aber so sehr ich mich auch bemühte, es hörte mich nicht. Es war so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass es mich nicht mehr wahr nahm und was um es herum passierte. Es war nicht mehr offen für die natürlichsten und selbstverständlichsten Dinge auf dieser schönen Erde. Und wenn selbst ich nicht durchkommen konnte, wer sollte es dann sonst schaffen?

Verzweifelt grübelte ich, wie ich dem Engelchen helfen konnte, aber noch war mir keine Lösung eingefallen. Nur eines wusste ich: In diesem Territorium gab es Sümpfe und Moore des Übels und des Grauens, aus denen es kein Entrinnen mehr gab, wenn man sich erstmal darin verstrickt hatte, aus eigener Kraft sich nicht hinaus winden konnte und - und das ist das Wichtigste von allem - wenn man mich nicht zu sich ließ. Aber dieses Engelchen sah so unschuldig aus - es musste doch einfach einen Weg geben, es von diesen furchtbaren Sümpfen fern zu halten. Aber so sehr ich auch nachdachte, mir fiel nichts ein. So begleitete ich es seinen ganzen tristen und trüben Weg entlang und wich nicht von seiner Seite. Trotzdem bemerkte es mich nicht.

„So was Dummes,“ hörte ich das Engelchen murmeln, „niemand hat mich lieb. Alle sind gegen mich. Alle wollen nur Böses von mir. Keiner gibt mir Liebe. Ich habe es doch wirklich versucht.

Ich weiß nicht mehr, was ich tun soll. Die Welt ist so grausam.“ Und ich versuchte es zu warnen, versuchte, ihm zu erklären, dass die Welt erst dann grausam wird, wenn es die Welt dafür hält, aber ich hatte keine Chance. Zu sehr war es in Selbstmitleid und Hass gegen sich selbst verfangen, als dass es mich hätte hören können. Aber ich gab meine Bemühungen nicht auf. Ich glaubte an mich und meine Fähigkeiten und ich glaubte, dass das Engelchen es schaffen würde, sich aus diesen Sümpfen, wenn es sich darin verfangen sollte, wieder zu befreien. Langsam trottete es seines Weges, sah nicht nach rechts und nicht nach links. Sah immer nur auf den Boden und sah ihn trotzdem nicht, sonst hätte es bemerkt, dass der Boden langsam aber stetig immer feuchter wurde und es sich dem Sumpf der Verzweiflung näherte.

Hier saß die Krake Unglaub und freute sich schon auf ein neues Festessen. Ich konnte sie schon singen hören: „Komm her, mein Engelchen. Bei mir bist du ganz richtig. Diese Welt ist böse und schlecht. In meinem Sumpf wirst du dich in Dreck und Modder wühlen können. Dann wirst auch du den Geruch der Welt annehmen. Das Atmen wird dir schwer fallen und dann wirst du froh sein, von dieser Welt zu gehen.“

Ja, das war ihr Klagelied. Tag für Tag und Nacht für Nacht. Und sie fand immer wieder ihre Opfer! Ich bin bis heute nicht dahinter gekommen, warum es so viele gab, die es hierher zog und ich für mich werde diese Lösung wohl nie erfahren. Und wenn ich ehrlich bin, so erpicht darauf, das zu erfahren, bin ich eigentlich auch nicht. Ich machte mir nur Gedanken um mein kleines Engelchen, dass immer noch weinend und klagend neben mir marschierte und mich noch immer nicht hören konnte. Merkte es denn nicht, dass es nun schon mit den Knöcheln im Sumpf steckte? Merkte es denn nicht, dass das Gehen immer und immer schwerer wurde?

Der Matsch setzte sich an seinen Füßchen fest und spritzte sein schönes weißes Hemdchen voll, so dass auch bald schon das bislang noch reine Hemdchen ganz dreckig und traurig aussah. Immer weiter ging es in den Sumpf hinein, immer schwerer kam es voran, immer höher wurde der Sumpf und immer näher kam es der alten Krake Unglaub.

Die ersten kleinen, bösen Geister schwirrten um das Engelchen herum, flüsterten schlechte Dinge über die Welt und das Leben in das Ohr des Engelchens und dafür war es eigenartigerweise offen. Jedes Wort sog es auf wie ein Schwamm. Kein Wunder! Wurde es doch durch die Geister in seiner Meinung bestärkt. Bis zu den Hüften steckte es im Schlamm, nur noch ein paar Meter und es war im Gebiet von Unglaub!

Und das Engelchen ging immer weiter, kämpfte sich voran. Mir wurde langsam das Atmen zur Qual. Wie konnte man hier überhaupt noch atmen? Aber ich vertraute darauf, dass wir es irgendwie schaffen würden. Noch waren wir nicht verloren! Es musste einen Weg geben.

Da kam Unglaub. Mir blieb die Spucke weg. Mit lüsternem Blick kam es auf das Engelchen zu, beleckte sich die Lippen, freute sich auf das Festmahl. Die Augen von Unglaub quollen fast über vor Erwartung. Langsam streckte es seine glitschigen Arme aus. Überall Matsch - und Unglaub suhlte sich darin, als sei es ein wohltuendes Erfrischungsbad. Mir wurde ganz schlecht. Langsam musste ich
mir aber wirklich etwas einfallen lassen, sonst war das Engelchen verloren.

Jetzt hatte Unglaub es erreicht, fasste es am Arm, zog es zu sich herüber. Ich zerrte mit aller Kraft am anderen Arm, aber Unglaub war stärker. Jetzt lag das Engelchen willenlos in seinen Armen.

Das war ein Bild! Ein Engelchen mit schönem Gesichtchen in den Armen einer Riesenkrake, die grün und glitschig war. Ein Unterschied wie Tag und Nacht. Hell und dunkel - so war auch der Anblick dieses Bildes. Es zerriss mir fast das Herz.

In einer Anwandlung von Güte hob Unglaub das Engelchen auf seine Arme, wog es hin und her. Das Engelchen schien zu schlafen, es lag dort in den Armen wie tot, zu keiner Regung mehr fähig. Leblos, hoffnungslos, einsam und allein, völlig hilflos.

Da kam mir die Erleuchtung. Ein Vogel musste her. Und ganz stark wünschte ich mir, dass ein kleiner Vogel uns helfen möge. Wenn ich schon nicht sichtbar werden konnte, dann vielleicht ein kleines Vögelchen mit Flügeln, das heraus fliegen konnte aus diesem Sumpf. Ein Vögelchen, das so klein war und doch immer ein fröhliches Liedchen trällerte. Ein Vögelchen, das Meister war über sein Leben, dem kein Berg zu hoch und kein Wasser zu weit war. Und plötzlich hörte ich - noch etwas entfernt - ein fröhliches Tirilitirila, das langsam näher und näher kam. Die Rettung nahte!
 
„Hallo, Vögelchen,“ begrüßte ich es herzlich, „ich freue mich, dich zu sehen. Danke, dass du mich gehört hast.“ Ich war erleichtert, denn noch nie war ich so froh gewesen, ein Lebewesen zu sehen, wie in diesem Moment, als es um Leben und Tod dieses kleinen Engelchens ging.

„Du weißt doch, dem Fröhlichen gehört diese Welt. Und bin ich auch nur klein,“ antwortete dieses kleine, schillernde Geschöpf, „ich habe doch alle Kraft der Welt. Alle Kraft, die ich brauche, ist in mir. Und weil ich um diese Kraft weiß, kann mir niemand etwas anhaben. Und niemand kann mir verbieten, diese Kraft zu nutzen. Also tue ich es. Und indem ich meine Kraft nutze, kann ich anderen von meiner Kraft abgeben und ihnen helfen. Das ist ein Gesetz des Lebens, das jeder kennt. Aber nicht jeder wendet es an. So, und jetzt wollen wir sehen, was wir machen können. Komm’ mit.“ Sprach’s und flog auf das glitschige Monster zu.

Ich wollte es warnen, aber meine Stimme versagte mir. Dieses klitzekleine Vögelchen war so sehr von sich selbst überzeugt, dass ich mich nicht mehr traute, irgend etwas zu entgegnen. Also machte ich mich auf den Weg um ihm beizustehen. Es setzte sich auf den Kopf des Engelchens und fing an zu tirilieren. Schöner und klarer als ich es je gehört hatte. Nie hatte ich für möglich gehalten, dass man so schön tirilieren konnte.

Unglaub versuchte, das kleine Vögelchen mit einer Hand zu erhaschen, mit der anderen Hand hielt es das Engelchen fest, dass kaum noch zu leben schien. Wir mussten jetzt schnell handeln. Das Vögelchen wuchs über sich selbst hinaus. Geschickt entwischte es der Hand der Krake und jedes Mal, wenn es erfolgreich entwischt war, tirilierte es nur noch ein bisschen lauter und schöner als vorher, was die alte Krake nur noch wütender machte. Durch dieses Wirrwarr schien wieder Leben in das Engelchen zu kommen.  Langsam, ganz langsam öffnete es ein Auge, sah sich verwundert um, schien aber noch nicht zu registrieren, was hier gerade vor sich ging.

Das Vögelchen tat sein Bestes. Trickreich entging es den Klauen der Krake und ich hatte den Eindruck, als wenn es immer fröhlicher wurde, ja völlig über sich hinaus wuchs und immer größer und stärker dabei wurde. Jetzt begann ich, auf das Engelchen einzureden. „Du musst aufwachen. Es ist noch nicht zu spät. Du kommst hier wieder raus, wenn du nur willst. Du musst nur an dich glauben. Wir helfen dir, wir sind deine Begleiter. Wir waren immer bei dir, haben dich immer auf deinem Weg begleitet. Wir werden auch in Zukunft zu dir stehen. Komm’, lass dir helfen. Vertraue! Du schaffst es! Wach auf. Es wird Zeit, hier zu verschwinden. Es gibt noch so viele schöne Dinge auf der Welt. Sieh’ dir das Vögelchen an. So klein und doch so flink, dass diese alte Krake ihm nichts, absolut nichts anhaben kann. Höre auf sein Lied. Sing mit! Es ist das Lied des Lebens!“

Und je mehr ich sagte, desto mehr drang meine Stimme offensichtlich in das Bewusstsein des Engelchens ein. Noch glaubte es mir nicht, aber es sah seine missliche Lage und ein kleiner Funke von Lebenswillen erschien auf seinem Gesichtchen. Und plötzlich rappelte es sich hoch. Die Krake war mit einer Hand mit dem Vögelchen beschäftigt - das war die Chance!
 
„Los,“ sagte ich, „befreie dich. Das ist deine Chance, hier zu entkommen. Wir helfen dir!“
 
Das Engelchen rappelte sich auf, bekam erst einen Arm frei, dann den zweiten und stand dann auf.  Die Krake wusste nicht mehr, was sie machen sollte, das Vögelchen trampelte ihr auf dem Kopf herum, der Engel wollte sich befreien und ich schickte ihm den Nebel des Vergessens, den er bislang noch nicht kannte. Das war zuviel. Der Vogel schwirrte jetzt behände um den Kopf der Krake und das Engelchen hatte sich befreit und konnte zum nahen Ufer gelangen. Hierher kam die Krake nicht mehr, denn hier war bereits das Territorium des Guten. Hier versagten die Kräfte der Krake. Laut schimpfte sie: „Euch werde ich helfen, mir meine Mahlzeiten zu stehlen! Was seid ihr für gemeine Wichte! Überhaupt kann ich euch nicht leiden!“ Aber wir lachten bloß. Das Engelchen hatte sich inzwischen aufgerappelt und fing ganz langsam an zu lächeln.

„Komm,“ sagte ich, „da vorn ist der See der Liebe. Dort kannst du baden. Er wird dir Kraft geben.“

Und als das Engelchen den See erblickte, lachte es froh, fing an zu laufen und stürzte sich kopfüber in den See der Liebe, wusch sich von allem Matsch und Dreck frei, jauchzte und tirilierte und freute sich wieder des Lebens.

„Siehst du,“ sagte ich, „es geht auch anders. Bade dich frei und dann gehe deines Weges. Jetzt wirst du jeden Weg ohne Zweifel meistern!“ Und ich sah ihm glücklich beim ausgiebigen Baden zu. Er suhlte sich in dem feinen, weichen Wasser, ließ es durch seine Hände laufen, lachte und spritzte es umher. So ausgelassen ist das kleine Engelchen sicher selten gewesen.

„Ja,“ rief es zu mir herüber, „jetzt werde ich mein Leben meistern, denn jetzt weiß ich, wie ich meine Kräfte nutzen kann. Ich danke dir, Geist des Glaubens und Vertrauens, dass du mir in meiner schlimmsten Not geholfen hast und nicht von mir gewichen bist. Dir habe ich mein Leben zu verdanken und werde es niemals mehr vergessen!“ Und es hörte sich wie ein Versprechen an.

Abends las mein Freund diese Geschichte und er hatte dabei Tränen in den Augen. „Das ist die Lösung all’ deiner Probleme,“ sagte er schmunzelnd und ließ mich mit diesen Worten allein im Regen stehen.

Ich hatte keine Ahnung, was mit mir passiert war. Ich wusste nicht, woher diese Anwandlung, ein Märchen zu schreiben, plötzlich kam. Ich wusste nur, es war etwas überaus Wichtiges mit mir geschehen, und dass damit der Grundstein für ein neues Leben gelegt war. Aber erklären konnte ich es nicht. Richtig verstanden habe ich das Märchen erst viele Monate später, nachdem mir eine Frau, die ich – scheinbar zufällig - auf einem Vortrag kennen lernte, das Märchenschreiben beibrachte.

Nachdem sie gehört hatte, was mit mir geschehen war, nahm sie sich die Zeit und half mir dabei, Märchen dann zu schreiben, wenn ich ein Problem hatte. Sie half mir, die Märchen zu strukturieren und anschließend zu analysieren.

In der darauf folgenden Zeit versuchte ich, so, wie das Märchen mir gesagt hatte, mehr Glauben und mehr Vertrauen zu entwickeln. Keine leichte Aufgabe, wenn man davon überzeugt ist, vollkommen wertlos und minderwertig zu sein. Es war damals die Zeit in meinem Leben, in der große Veränderungen vor sich gingen. Ich hatte an mich geglaubt und fand einen neuen Arbeitsplatz in einer Firma, in der es freundlicher und kameradschaftlicher zuging, als in der vorigen.

Es war nur ein kleiner Haken dabei: ich verdiente wesentlich weniger als vorher und hatte erhebliche Schwierigkeiten, mich daran zu gewöhnen. Ich musste, so meinte ich, einige Dinge, die ich
gern hatte, aufgeben, damit ich sparen lernte. Aber das bedeutete für mich, Einschränkungen vorzunehmen, zu denen ich beim besten Willen nicht bereit war. Ich machte mir Sorgen. Meinen Lebensstil einschränken wollte ich nicht. Also blieb nur die andere Seite: ein Nebenjob. Aber war es das wert?

Ein neuer Konflikt entstand, für den mein ach so kluges Köpfen noch keine Lösung gefunden hatte. Mittlerweile konnte ich schon Märchen schreiben und ich dachte mir, wenn ich mich einige Zeit auf mein Problem konzentrieren würde, um dann das Märchen zu schreiben, wird es vielleicht eine Lösung für mich parat haben. So machte ich das dann auch und dabei entstand das Märchen „Die Zusammenkunft der großen Drei".

Tagelang konnte ich mit diesem Märchen nichts anfangen. Überhaupt nichts. Was hatte die Geschichte mit meinem Geldproblem zu tun? Ich legte das Märchen weg und holte es erst viele Wochen später wieder hervor. Ich ging es systematisch durch. Gut, da war zunächst ein Paradiesapfel. Was war, wenn der nun einfach für die Nahrung stand, die ich ja notwendiger Weise zu Leben brauchte? Die war wichtig. Aber das wichtigste?

Ich machte mir Gedanken und stellte fest, dass ich in der Vergangenheit ziemlich häufig essen gegangen war. Das war ja eine recht kostspielige Angelegenheit. Wie sagte doch der Apfel? „...denn durch mich werden die Menschen auch noch an das Gute und Schöne erinnert!“ Ja, und bequem ist es zudem.

Lange Rede - kurzer Sinn, ich beschloss kurzerhand, das Essen gehen einzuschränken. Und als ich das mit einer guten Freundin beredete, meinte diese dazu, dass es wohl sowieso ein wenig besser für mich wäre, wenn ich mich einmal auf meine hausfraulichen Qualitäten besinnen würde. Nun denn, ich legte mir endlich ein Kochbuch zu und im Laufe der Zeit hatte ich sogar Spaß an dieser mir sonst verhassten Aufgabe. Und mittags in der Firma gab es einen selbst gemachten Salat anstelle von Pommes aus der Würstchenbude. Das bekam nicht nur meinem Geldbeutel gut, sondern auch meiner damals etwas fülligen Figur.

Punkt zwei des Märchens war eine Wolke. Wie sagte sie doch? „...was wäre die Menschheit ohne mich und das Wetter des Lebens?“ Wenn ich ehrlich war, so brauchte ich für meine Stimmungsschwankungen viele "Wetter des Lebens". Disco, Kino, Spielhalle und am Wochenende kostspielige Fahrten nach Dänemark und sonst wohin, nur um etwas von der Welt zu sehen. Gut, das kostete eine ganze Menge Benzingeld, aber... O.k., dachte ich mir. Warum die Welt erkunden, wenn ich meine Heimatstadt noch nicht einmal richtig kenne? Und zweimal in der Woche ins Kino musste auch nicht sein. Schließlich hatten wir bereits  Kabelfernsehen und wenn ich mich dann Wochentags
mit nichts anderem beschäftigen konnte (z.B. Märchen schreiben), gab es sicherlich auch im Fernsehen mal einen anständigen Film.

Also, noch einen erheblichen Kostenfaktor weniger. Und mit einigen Freunden wurde es dann auch zu Hause ganz gemütlich. Punkt 3, das Bild. Damit tat ich mich eigentlich am schwersten. Etwas für das geistige Auge? Was war denn das? Kino und so etwas hatte ich doch schon, es musste etwas anderes sein. Und ich wehrte mich gegen die Erkenntnis, dass es meine Kleidung war lange und gründlich. Aber es war die Kleidung. Ich bin von Kindheit an so erzogen worden, immer frisch gebügelt und gestriegelt auszusehen. Nicht das ich das übertrieben hätte, aber Wert auf passende und gute Kleidung legte ich immer noch. Und es waren nicht die billigsten Hosen und Pullover und nicht gerade wenig! Häufig kaufte ich mir Pullover, um sie nur wenige Male getragen an meine Verwandten in der DDR zu schicken. Also, gut.

Ich seh's ja ein... Fortan pflegte ich meine Kleidung ein wenig mehr und es waren keine Pullover für 150,-- DM, sondern für 80,-- DM. Aber diese 3 Dinge waren noch immer nicht alles. Es ging nicht darum, jetzt einen Teil wegzulassen oder zu reduzieren, nein, in dem Märchen ging es mehr um Koordination. Alle 4 Teile, inklusiv der Hütte, mussten sich zusammentun, eine Einheit bilden. Auch die Hütte ist wichtig. Ich selbst war wichtig! Ich musste zufrieden sein.

Ich musste aufhören, mir ständig so viele Gedanken zu machen. Ich musste mich über das freuen, was ich hatte! Und ich hatte viel! Zu viel fast. Und ich konnte mich freuen, dass ich lebe! Ja ich lebe! Ich hatte eigentlich alles, was ich brauchte: Nahrung, eine Wohnung, ein Auto, konnte mir an sich das leisten, was ich haben wollte. Warum war ich denn damit nicht zufrieden?

Ja, hier ging es für mich um Zufriedenheit, um die Einheit in mir! Wenn ich zufrieden war, mit dem, was ich hatte, brauchte ich doch gar nicht mehr! Und ich überlegte, dass es mir doch recht gut ging - und wurde Dank des Märchens langsam zufriedener und dann lösten sich auch langsam meine Geldprobleme auf.

Langsam packte mich die Faszination der Dinge, die ich über mich herausfand und die ich ohne große Mühe ändern konnte! Langsam wurde ich ruhiger und zufriedener und schrieb auf alles, was mir einfiel, ein neues Märchen. Wunderbare Erkenntnisse taten sich mir auf und das Schönste war: Eigentlich brauchte ich alle diese Dinge gar nicht nachzulesen - ich fand sie ja in mir! Das einzige, was ich tun musste, war, sie als Märchen aufschreiben. Mir stellte sich natürlich die Frage, warum gerade als Märchen und nicht als perfekte Lösung in klaren Worten. Nun, es scheint mir einleuchtend, dass ich mir die perfekte Lösung nicht geglaubt hätte.

Hätte ich niedergeschrieben: Gudrun, du musst das Essen gehen einschränken und kaufe dir doch endlich mal nicht ganz so teure Pullover und hör auf, am Wochenende mal eben nach Dänemark
zu fahren - ich hätte mich strikt geweigert, das anzunehmen, denn ich hätte das Gefühl gehabt, mich selbst in meiner Freiheit zu berauben. Und das war nun überhaupt nicht das, was ich eigentlich wollte. Dadurch, dass die Märchen mir auf liebevolle Art und Weise zu verstehen gaben, dass es so nicht weiter geht und mir auch noch eine wunderbare Lösung boten, fiel es mir wesentlich leichter, mein wahres Problem zu erkennen, anzunehmen und es zu ändern!

Wochen später wagte ich mich zum ersten Mal an Krankheiten heran. Ich war gespannt, welche Patentlösung mir die Märchen dafür liefern würden. Wie würden die Märchen ausdrücken, dass ich ein Medikament nehmen sollte? Oder würden sie mir raten, zum Arzt zu gehen? Ich war gespannt. Und das erste, an das ich mich heranwagte, war mein Druck auf den Augen, mit dem ich ständig zu tun hatte. Ich dachte, dass das wohl mit das leichteste wäre und schrieb das Märchen vom "Geheimnis des verbotenen Zimmers".

Mehrere Mal las ich das Märchen und verstand wieder einmal kein Wort. Was, um alles in der Welt, sollte dieses geheime Zimmer mit meinem Druck auf den Augen zu tun haben? Ich ließ es auf meinem Schreibtisch ruhen, las es noch einige Male durch und hoffte auf die große Erleuchtung, die sich hoffentlich bald einstellen würde. Ich hatte inzwischen viele weitere Bücher über Esoterik gelesen und machte mich mit dem Gedanken vertraut, das viele Krankheiten psychosomatisch bedingt waren. Das hieß, dass allen Krankheiten eine negative Gedankenstruktur zugrunde lag und erst die andauernde Negativität zur Krankheit führte. Wenn das stimmte, dann hatte ich aufgrund meiner erheblichen Erkrankungen noch eine Menge aufzuarbeiten! Aber bevor ich daran ging, wollte ich erst einmal dieses Märchen für mich klären.
 
Ich wusste also durch das hervorragende Buch "Krankheit als Weg" von Thorwald Dethelfsen, dass Augen etwas mit sehen zu tun hatten. Etwas nicht sehen wollen, nicht einsichtig sein. Gut, ich war weitsichtig und es traf zu, dass ich mit meinen Gedanken mehr in der Zukunft als in der Gegenwart war, aber das löste nicht meinen Druck auf den Augen. Als mir wochenlang dann nichts weiter zu diesem Thema einfiel, machte ich endlich eine Selbstanalyse dieses Märchens. Da gab es also ein geheimes Zimmer, in das nur Eingeweihte durften, um dort mit den Zaubergegenständen umzugehen. Der Engel, um den es hier geht, trug den Schlüssel, der die Tür öffnen konnte immer bei sich, weil er der Wärter für dieses Zimmer war. Der Engel war neugierig, traute sich aber zunächst nicht, das verbotene Zimmer zu betreten und kämpfte mit sich, was er tun sollte. Als die Neugier dann gesiegt hatte, konnte er zunächst in dem Raum nichts sehen.

Dann entdeckte er eine goldene Statue unter einem Wasserfall, einen Tisch auf dem Karten ausgebreitet waren, eine Glaskugel und ein Gerät, mit dem man in die Sterne schauen konnte. Als der Engel sich dann noch auf den magischen Thron setzte, bekam er den Zauberstab und eine Weltkugel in die Hand und tankte Lebensenergie. Und die Krönung des Ganzen war, dass er für sein Tun nicht bestraft wurde, sondern befördert, weil er den Mut hatte, dem Geheimnis des Lebens auf die Spur zu
kommen.

Als ich mir über den Verstand klar gemacht hatte, was der Engel da tut, sah ich plötzlich wieder klar. Und das können sie diesmal sogar wörtlich nehmen! Was hatte ich gemacht? Ich beschäftigte mich nun schon eine Weile mit Esoterik und allem was dazu gehört. Etwas Astrologie, ein bisschen Tarot, manchmal eine Meditation. Alles das tauchte auch in dem Märchen auf! Das Gerät, mit dem man in die Sterne schauen konnte war die Astrologie, der Tisch auf dem die Karten ausgebreitet lagen, der Thron, auf dem ich in Meditation wieder Lebensenergie tanken konnte. Aber was hatte ich gedacht? Ich hatte gedacht, dass sind verbotene Dinge. Ich dachte, nur Meister oder indischen Yogis war es vorbehalten, sich mit solchen Dingen zu beschäftigen. Ich dachte, ich sei unnormal, weil meine Umwelt sich nicht mit solchen Dingen beschäftigte, sich also nicht mit sich selbst auseinandersetze.

Und ich selbst hatte mir unbewusst verboten, von solchen Dingen mehr zu erfahren. Ich selbst hatte mir verboten, dass es mir gut gehen könnte. Und dabei hatte ich doch schon die ganze Zeit den Zauberschlüssel in der Hand! Ich brauchte ihn nur zu benutzen. Ich brauchte mir nur all diese Dinge zu erlauben und dann würde es mir besser gehen. Es konnte niemanden geben, der mich dafür bestraft, außer ich tat es selber! Und wenn meine Umwelt mit diesen Dingen nicht klar kam, so sollte das doch wohl nicht mein Problem sein. Wenn die weiterhin leiden wollten - bitte, dann sollten sie das tun, aber mich bitte aus diesem Spiel herauslassen.

Ich freute mich über diese Erkenntnis genauso wie der Engel in dem Märchen, denn jetzt fühlte ich mich reif für mich. Und wissen sie, was das Schönste war? Seit dieser Erkenntnis ist der Druck auf den Augen vollkommen verschwunden und seitdem nie wieder aufgetaucht! Es kam für mich eine Zeit, in der ich wie eine Besessene Märchen schrieb. Kein Fernsehen, kein Kino, keine Disko. Für mich war Märchenstunde - und das jeden Abend nach Feierabend. Systematisch ging ich mein Leben durch und löste ein Problem nach dem nächsten in Luft auf.

So vergingen die Wochen und ich fand immer mehr zu mir, wurde ruhiger, gelassener, ausgeglichener, zufriedener. Auch meine Umwelt bemerkte dies und machte mich darauf aufmerksam.

Aber ich erzählte niemandem, woran es lag, denn ganz sicher war ich mir immer noch nicht, dass diese selbst geschriebenen Märchen eine derartige Wirkung auf meine Psyche haben sollten. Mir ging es gut und das war für mich das Wichtigste. Ich hatte mich in der Zwischenzeit auf viele Fragen, die mein Leben betrafen konzentriert. Aber das an dieser Stelle zu Papier zu bringen, würde den Rahmen dieses Buches sicherlich bei weitem sprengen.

Eines Tages wollte ich dann das Problem meines rechten Fußgelenks lösen. Seit weit über 15 Jahren konnte ich zwar normal gehen, aber immer, wenn ich laufen wollte, knickte mein rechter Knöchel unter Schmerzen ein. Auch knackte es in dem Gelenk sehr häufig, wenn ich den Fuß drehte und ich hatte häufig das Gefühl, einen gewissen Druck auf dem Gelenk zu haben.

Zwischenzeitlich hatte ich ein Märchenseminar besucht, das mir weiter half. Meine Fragetechnik wurde dadurch wesentlich präziser und so formulierte ich folgende Frage: "Was ist die Ursache für das Knacken und die Schmerzen in meinem rechten Fuß und was kann ich tun, damit es aufhört?" Und ich schrieb das Märchen: "Der Clown und das Glücksschwein".
 
Ich ließ den Schreiber sinken, las das Märchen noch einmal durch und schmiss es dann in die Ecke. Was sollte denn das nun wieder? Nicht ein einziger Hinweis auf meinen Fuß! Und ich dachte wieder einmal, dass Märchen schreiben sinnlos ist - aber es hatte doch in so vielen Fällen wirklich geholfen. Ich las es noch einmal und in den nächsten Tagen immer und immer wieder.

Ich wollte den "Knackpunkt" finden. Aber ich fand ihn nicht. O.k., lachen. Sicher, es gab Zeiten in meinem Leben, da habe ich nicht gelacht, war nicht fröhlich - aber das konnte ja wohl unmöglich etwas mit meinem Fuß zu tun haben. Sollte sich tatsächlich eine anhaltende Traurigkeit bei mir im Fuß manifestiert haben? Nein, das war nun wirklich zu unwahrscheinlich, als das ich das jemals geglaubt hätte. Ich legte das Märchen zu meinen vielen anderen Märchen in den Aktenordner und vergaß es.

Und ob sie es mir glauben oder nicht, die Lösung für dieses Märchen habe ich einige Wochen später ohne weiteres Dazutun erhalten. Ich habe das wundervolle Buch von Louise Hay "Gesundheit für Körper und Seele" gelesen und da steht folgendes: „Knöchel, Sprunggelenk. Wahrscheinlicher Grund: stehen für die Fähigkeit, Vergnügen zu empfinden. Unbeugsamkeit und Schuld. Neues Gedankenmuster: Ich habe Anspruch auf Genuss im Leben. Ich nehme alles Vergnügen an, dass das Leben zu bieten hat.“

War das nicht das, was damals mein Märchen auch ausgesagt hatte? Jahrelang hatte ich mir das Lachen versagt, war statt dessen traurig, konnte kein Vergnügen mehr empfinden. War nicht der, der ich in Wirklichkeit war. Es stimmte! Und jetzt war auch mein Verstand so weit, das endlich einzusehen und zu glauben. Nun, mein Fußgelenk zeigt noch immer fast die gleichen Symptome wie seit 20 Jahren, aber unbewusst und schleichend habe ich in den letzten Jahren wieder viel von meinem Lachen und meiner Fröhlichkeit zurück gewonnen. Und ich gebe die Hoffnung nicht auf, das eines Tages auch mein Fuß wieder vollkommen in Ordnung sein wird. Daran glaube ich ganz fest.

Im Laufe der nächsten 1 ½ Jahre schrieb ich über 100 Märchen dieser Art, hinterfragte die Gründe für viele meiner Sorgen und Probleme und sortierte damit mein Leben gänzlich neu. Es war ein sehr intensiver Prozess, manchmal schmerzhaft und dennoch reich an Einsichten und Erkenntnissen. Und er war begleitet von vielen einschneidenden Veränderungen in meiner Art zu denken und vor allem in meiner Art zu leben und zu sein. Meine depressiven Verstimmungen ließen nach, einige körperliche Symptome – z.B. meine ständigen Kopfschmerzen – verschwanden und ich fühlte mich insgesamt wohler und gesünder.

Das Schreiben der Märchen war ein Meilenstein auf dem Weg zu meiner Heilung und der erste Schritt auf dem Weg zu meinem wahren Selbst. Ich hoffe, ich gebe Ihnen auf dieser Webseite einige
Anregungen, damit auch sie einen weiteren Schritt zu sich selbst gehen können. Das wünsche ich mir sehr.

Ihre
Gudrun Anders


Warum sollte man Märchen schreiben?

  • Unsere selbst geschriebenen Märchen geben uns individuelle Lösungen für individuelle Probleme.
  • Wir können lernen, wieder unsere Gefühle zuzulassen und zu zeigen. So können wir auf diese einfache Weise unsere Ängste und / oder Aggressionen, aber auch Trauer und Wut abbauen und verarbeiten.
  • Märchenschreiben kann uns entspannen. Wir fühlen uns nach dem Märchenschreiben lebendiger, froher, gelöster und wir geben unserer Kreativität mehr Ausdruck.
  • Märchen können uns in unsere eigene Tiefe führen - zu uns selbst! So können wir Seiten von uns freilegen, die sonst vielleicht nicht oder nicht genügend zum Zuge kommen.
  • Wir aktivieren unsere rechte Gehirnhälfte (die ist für Intuition, Kreativität und schöpferisches Denken zuständig), die normalerweise von uns weniger genutzt wird. Wir lassen unserer Phantasie freien Lauf. Damit schöpfen wir wieder Mut und  Hoffnung auf positive Veränderungen.
  • Märchen helfen uns, Probleme zu lösen, bei denen wir aus dem logischen Denken heraus keine befriedigende Lösung gefunden haben. So können wir neue Talente entdecken und freisetzen.
  • Mit dem Schreiben von Märchen weicht unsere Befangenheit dem wahren  Gefühl. Auch dadurch können wir unseren Kindern und Mitmenschen wieder näher kommen.

Mit dem Märchenschreiben und Imaginationsübungen ist nach meinen Erfahrungen eine therapeutische Wirkung verbunden.

Zitat:
 .... Indem wir ein Märchen schreiben, lassen wir unserer Phantasie freien Lauf, bringen sie aber auch in eine Form. Wünsche, Ängste nehmen so sehr viel deutlicher Gestalt an, als wir es in einem Alltagsgespräch etwa zu¬lassen würden. Wir schreiben eine Imagination nieder, die je nachdem, wie sehr wir uns mit der einen oder mit der anderen Figur identifizieren, uns näher oder ferner sein kann. Durch die Aufgabe, ein Märchen zu schreiben, ist die allgemeine Märchenstruktur vorgegeben: Es ist vorgegeben, dass  wir von einer bedrohlichen Situation ausgehen, dass wunderbare Wendungen sich ereignen, die nicht realen Möglichkeiten entsprechen müssen, und es ist vorgegeben, dass diese Wendungen letztlich zu einem guten Ausgang führen. Diese vorgegebene Struktur bewirkt, dass wir uns eher zutrauen, uns dem Fluss der Phantasie zu überlassen, dass wir weniger Angst haben, als wenn wir uns auf keine Struktur beziehen könnten; das aber wiederum führt dazu, dass wir die Phantasien freier fließen lassen, uns einerseits lebendiger fühlen, andererseits Schichten von uns freilegen, die wir sonst nicht so leicht zum Zuge kommen lassen. Wir lassen uns - und das scheint mir das Wichtigste am Märchenschreiben - in eine Welt hinein frei, in der phantastische Veränder¬ungen möglich sind, wir lassen uns frei im Blick auf unsere Utopien, unser Grundpotential an Hoffnung auf Veränderung. Das bedeutet aber, dass das Selbstbild, das Weltbild und das Bild der eigenen Situation sich wieder öffnen können, dass die Befangenheit dem Gefühl weicht, etwas gestalten zu können, etwas bewirken zu können. Damit ist eine therapeutische Wirkung verbunden. ...“

Auszug aus dem Buch: "Märchen als Therapie", Verena Kast, Walter Verlag, 3. Auflage 1989, S. 74, ISBN 3-530-42104-9

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